April / Mai 2000      
 

WOLFENBÜTTELER ZEITUNG UND ANZEIGER

 

 

Sighild Salzmann will an die Tradition der Gärtnerstadt Wolfenbüttel erinnern

 
  Förderverein für ein Gärtnermuseum  
 

Von Karl-Ernst Hueske

Wolfenbüttel. Die Stadt Wolfenbüttel kann auf eine jahrhundertealte Tradition der Gartenkultur zurückblicken. Doch heutzutage erinnern höchstens noch das Gärtnerdenkmal vor der Trinitatiskirche, eine von Marion Sippel-Boland erarbeitete Geschichte der Wolfenbütteler Gärtner (erschienen als Heft 8 der Wolfenbütteler Stadtgeschichte) und gerade einmal 20 Gärtnerbetriebe (nach dem Krieg waren es noch 150) an diese Tradition.

Noch vorhandene Strukturen
Schon mit ihrer Chronik mit dem Titel "...uns gesambten Gärtnern vor hiesiger Stadt..." hatte Marion Sippel-Boland den Versucht gestartet, den Wolfenbütteler Bürgern die Bedeutung dieses im Schwinden begriffenen Erwerbszweiges als Teil Ihrer Stadtgeschichte bewusst und erlebbar zu machen. Die Autorin fügte dieser Hoffnung im Vorwort noch hinzu: 


CDU-Ratsfrau Sighild Salzmann ist selbst eine begeisterte Hobby Gärtnerin. Sie möchte in einem Gärtnermuseum an die jahrhundertealte Tradition der Gärtnerstadt Wolfenbüttel erinnern. Dazu soll demnächst ein Förderverein gegründet werden.    Foto: Susanne Hübner

 
 

"Zugleich möge die Sensibilität für den Wert der noch vorhandenen Strukturen geschärft werden, die - über Jahrhunderte gewachsen - in jüngerer Zeit zunehmend verdrängt und in absehbarer Zeit vielleicht ganz verschwunden sein werden."
Ähnliche Befürchtungen haben auch Peter Kinne, der Organisator des am morgigen Sonntag stattfindenden 25. Geranienmarktes auf dem Stadtmarkt, und die CDU-Ratsfrau Sighild Salzmann, selbst eine begeisterte Hobbygärtnerin, die schon vor einigen Jahren die Herausgabe der Gärtnerchronik intensiv unterstützt hat.
Kinne, selbst im Besitz mehrerer historischer Gärtnerwerkzeuge, darunter auch ein extra für die Region Wolfenbüttel entwickeltes Schaufeleisen, befürchtet durch die Schließung
von Gärtnereien im Stadtgebiet

 (Kinne: "Die dritte Fruchtfolge") auch viele Gerätschaften auf dem Müll landen könnten. Er selbst hat auch in seinem Betrieb Probleme, die alten Gerätschaften zu lagern.

 Gärtnerhaus erwerben
Sighild Salzmann möchte deshalb so schnell wie möglich altes Material der Gärtner sicherstellen. Am liebsten möchte sie ein altes Gärtnerhaus über einen Förderverein erwerben, damit zu einem ein typisches Wolfenbütteler Gärtnerhaus erhalten bleibt und zum anderen dort ein Gärtnermuseum eingerichtet werden kann.

Gründung eines Fördervereins
Interessenten, die an der Gründung des Fördervereins, dessen erste Zusammenkunft demnächst stattfinden soll, können sich mit Sighild Salzmann über die Telefonnummer 0531/8787215 oder die Faxnummer 05331/22481 in Verbindung

setzen. Salzmanns Idee für ein Wolfenbütteler Gärtnermuseum geht aber über eine einfache Präsentation der Wolfenbütteler Gärtnergeschichte, ihrer Häuser und ihrer Handwerksgeräte hinaus. Sie kann sich auch einen Wolfenbütteler Gärtnerpfad vorstellen und Kurse für den Gartenanbau. Damit will sie erreichen, dass nicht nur zurückgeschaut wird, sondern auch eine Brücke zur heutigen Zeit geschlagen wird. Sie selbst hat erfahren, wie schwierig es heutzutage für Hobbygärtner ist, ohne fachliche Unterstützung einen abwechslungsreichen Garten zu schaffen und zu erhalten. "Vom Wissen der Wolfenbütteler Gärtner sollen möglichst alle Wolfenbütteler profitieren", lautet dann eine Zielsetzung ihres Projektes "Gärtnermuseum", das demnächst mit möglichst vielen Interessenten gestartet werden soll. Den genauen Termin der Gründungsversammlung geben wir rechtzeitig in unserer Zeitung bekannt.