Von Stephan
Hespos
MÖNCHEVAHLBERG. Hand aufs Herz: Kennen Sie die Rote Murmel,
die Lukullus oder die Palikovy? Wer sein Gemüse vorwiegend
im Supermarkt kauft, dem sind diese alten Tomatensorten wohl
noch nie begegnet. Schade findet das Ursula Reinhard,
Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung der
Nutzpflanzenvielfalt (VEN). "Denn die schmecken viel
intensiver."
Nahezu unbeobachtet von der Öffentlichkeit setzt sich
die Frau aus Schandelah gemeinsam mit einigen Mitstreitern
dafür ein, die Vielfalt des Sortenspektrums zu erhalten.
Bei einer Tomatenbörse auf dem Hof Wrede in Mönchevahlberg
überraschte Ursula Reinhard denn auch mit gleich 35
verschiedenen Sorten. "Das ist aber nur ein kleiner
Teil", so die VEN-Vorsitzende, "insgesamt gibt es
weit mehr als 500".
Für jede Gelegenheit die passende Tomate – zum
Naschen, Einkochen oder für den Salat – das ist für
Irmela Wrede einer der Beweggründe, sich in dem Verein zu
engagieren. "Ich will das alte Saatgut bewahren",
erläutert sie. Von Idealismus angetrieben, trennt sie die
Kerne aus den Tomaten heraus und wartet bis diese gären.
Erst dann dürfe die die Kerne umgebende gallertartige Masse
abgespült werden. Nach dem Trocknen steckt Irmela Wrede die
Kerne in kleine Filmdosen, die sie mit Aufklebern versieht.
"So komme ich nicht durcheinander, um welche Sorte es
sich handelt." Im Februar wird dann ausgesät – auf
der Fensterbank. Wenn die Pflanzen größer sind, kommen sie
in Töpfe. Ab Mitte Mai geht es dann ins Freiland.
Ursula Reinhard, Irmela Wrede und die Tomaten-Liebhaberin
Beate Pieper kennen sich bestens aus mit den
Nachtschattengewächsen. "Kolumbus hat die Tomate mit
nach Europa gebracht", erläutert die VENVorsitzende.
Auf dem Kontinent galt die Pflanze zunächst als ungenießbar
und sogar giftig. "Erst Ende des 19.
Jahrhunderts hielt die Tomate Einzug in die deutschen Gemüsegärten",
erzählt Ursula Reinhard. Vorher sei sie als Zierpflanze
verwendet worden – "unter anderem für Brautkränze".
Den Durchbruch habe 1906 die Sorte Lukullus gebracht,
"die sehr gut zu Mozzarella schmeckt". Diese
mittelgroße Tomate mit schweren Früchten besitze einen
frischen, leicht säuerlichen Geschmack, sei platzfest, reif
ab Mitte Juli und – sehr wichtig: – äußerst
ertragreich.
Rund 50
Besucher nutzten die Mönchevahlberger Tomatenbörse, um
sich über die Geschichte des Gemüses zu informieren, aber
auch, um Pflanzen zu tauschen. Ferner gab der Verein
Jungpflanzen zum Erhalt der Artenvielfalt gegen Spenden ab.
Wer nun neugierig geworden ist über alles, was sich rund um
die Tomate dreht, kann sich direkt an Ursula Reinhard,
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