15. April  2004      
 

WOLFENBÜTTELER ZEITUNG UND ANZEIGER

 

 

 
Biegel klar für Gärtnermuseum 

Direktor des Landesmuseums:
Chance nicht ökonomischen Sachzwängen opfern

Von Marion Kanther

WOLFENBÜTTELEin Gärtnermuseum ist für Wolfenbüttel ebenso wichtig wie das Lessinghaus und die Erinnerung an 300 Jahre Residenzstadt. Diese Auffassung vertrat Dr. Gerd Biegel, Direktor des Braunschweigischen Landesmuseums, bei einem Vortrag im Ratssaal.

Eingeladen hatte ihn der Verein Gärtnermuseum. Biegel befürwortete nicht nur die beispielhafte Initiative des Vereins, sondern gab ihm auch Argumente dafür an die Hand, dass ein Gärtnermuseum eine unverzichtbare Einrichtung für die Identität der Stadt Wolfenbüttel darstellt. "Wenn nach den Herzögen auch die Gärtner aus der Stadt gezogen wären, gäbe es Wolfenbüttel nicht mehr", sagte er und erinnerte an 300 Jahre, in denen die Erwerbsgärtnerei vor den Toren der Stadt eine Blütezeit erlebte und schließlich den allmählichen Verfall des Gewerbes nicht verhindern konnte. Noch heute werde den Touristen vermittelt, dass sich die Stadt Jahrhunderte lang durch den Gartenbau definiert habe.

"Geschichte ist bedeutsam für eine Stadt", sagte Biegel und unterstrich, dass sie die Erinnerung an prägende Epochen wach hält. Zeitzeugen und Zeitdokumente seien wichtig für das Verstehen von Gegenwart und Zukunft. Museen und die Qualität ihrer Ausstellungen würden heute leider eher nach Besucherzahlen bewertet als nach Inhalten. Den ökonomischen Betrachtungsweisen unterlägen auch die Politiker in zunehmenden Maße, stellte Biegel mit Bedauern fest. Insbesondere im Hinblick auf die Bewerbung der Region als Kulturhauptstadt 2010 sieht Biegel eine Chance darin, im Streckhof am Neuen Weg 33 endlich das erste Erwerbsgärtnerei-Museum Deutschlands zu eröffnen. Die vergleichbaren Museen in Erfurt und Bamberg hätten schließlich andere Schwerpunkte gesetzt.

Der Museumsdirektor verwies darauf, dass in Salzgitter ein Museum für Technik und Arbeit geplant sei. Er befürwortete diese Absicht, weil "Alltagsgeschichte heute kaum noch Beachtung findet", aber überaus wichtig und zukunftsweisend sei. "Wir müssen den Verlust der Geschichte aufhalten", sonst gehe die Identität Wolfenbüttels verloren, appellierte Biegel an Politiker und Sponsoren eines Gärtnermuseums.

"Man hat am Ende begonnen und sucht jetzt den Anfang", kritisierte der Referent und sprach von drei verlorenen Jahren (seit Bestehen des Vereins), in denen erfolgreiche Spurensuche betrieben, die Fülle von Geräten und Dokumenten aber noch nicht ausgestellt worden sei.

Die Möglichkeit dazu soll es im Mai nächsten Jahres im Schlossmuseum geben, informierte Sighild Salzmann vom Vorstand des Vereins nach dem Vortrag.

Donnerstag, 15.04.2004