Von Marion
Kanther
WOLFENBÜTTEL. Ein
Gärtnermuseum ist für Wolfenbüttel ebenso wichtig wie das
Lessinghaus und die Erinnerung an 300 Jahre Residenzstadt.
Diese Auffassung vertrat Dr. Gerd Biegel, Direktor des
Braunschweigischen Landesmuseums, bei einem Vortrag im
Ratssaal.
Eingeladen hatte ihn der
Verein Gärtnermuseum. Biegel befürwortete nicht nur die
beispielhafte Initiative des Vereins, sondern gab ihm auch
Argumente dafür an die Hand, dass ein Gärtnermuseum eine
unverzichtbare Einrichtung für die Identität der Stadt
Wolfenbüttel darstellt. "Wenn nach den Herzögen auch
die Gärtner aus der Stadt gezogen wären, gäbe es Wolfenbüttel
nicht mehr", sagte er und erinnerte an 300 Jahre, in
denen die Erwerbsgärtnerei vor den Toren der Stadt eine Blütezeit
erlebte und schließlich den allmählichen Verfall des
Gewerbes nicht verhindern konnte. Noch heute werde den
Touristen vermittelt, dass sich die Stadt Jahrhunderte lang
durch den Gartenbau definiert habe.
"Geschichte ist
bedeutsam für eine Stadt", sagte Biegel und
unterstrich, dass sie die Erinnerung an prägende Epochen
wach hält. Zeitzeugen und Zeitdokumente seien wichtig für
das Verstehen von Gegenwart und Zukunft. Museen und die
Qualität ihrer Ausstellungen würden heute leider eher nach
Besucherzahlen bewertet als nach Inhalten. Den ökonomischen
Betrachtungsweisen unterlägen auch die Politiker in
zunehmenden Maße, stellte Biegel mit Bedauern fest.
Insbesondere im Hinblick auf die Bewerbung der Region als
Kulturhauptstadt 2010 sieht Biegel eine Chance darin, im
Streckhof am Neuen Weg 33 endlich das erste Erwerbsgärtnerei-Museum
Deutschlands zu eröffnen. Die vergleichbaren Museen in
Erfurt und Bamberg hätten schließlich andere Schwerpunkte
gesetzt.
Der Museumsdirektor
verwies darauf, dass in Salzgitter ein Museum für Technik
und Arbeit geplant sei. Er befürwortete diese Absicht, weil
"Alltagsgeschichte heute kaum noch Beachtung
findet", aber überaus wichtig und zukunftsweisend sei.
"Wir müssen den Verlust der Geschichte
aufhalten", sonst gehe die Identität Wolfenbüttels
verloren, appellierte Biegel an Politiker und Sponsoren
eines Gärtnermuseums.
"Man hat am Ende
begonnen und sucht jetzt den Anfang", kritisierte der
Referent und sprach von drei verlorenen Jahren (seit
Bestehen des Vereins), in denen erfolgreiche Spurensuche
betrieben, die Fülle von Geräten und Dokumenten aber noch
nicht ausgestellt worden sei.
Die Möglichkeit dazu soll
es im Mai nächsten Jahres im Schlossmuseum geben,
informierte Sighild Salzmann vom Vorstand des Vereins nach
dem Vortrag.
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