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WOLFENBÜTTEL. Wolfenbüttels jahrhunderte
alte Streckhöfe waren Thema der Vortragsreihe des Vereins
Gärtnermuseum im Bürgersaal des Rathauses.
Landeskonservator Günter Jung lud in seinem Vortrag mit
Hilfe von Dias zu einem visuellen Spaziergang über den
Neuen Weg ein, an dem noch viele dieser alten
Gärtnerhäuser zu finden sind.
Bei dieser Gelegenheit stellte Vorsitzender Peter Kinne
das Modell des Streckhofes am Neuen Weg 33 vor, der nach
Wunsch der Mitglieder in ein Gärtnermuseum umgestaltet
werden soll. Eigentlich, so Jung, handele es sich bei den
Streckhöfen um belanglose zweckgebundene Gebäude ohne
Zierrat, ohne kulturhistorischen Wert. Hinzu käme, dass
sie schwierig zu erhalten und zu bewohnen seien.

Landeskonservator Günter Jung
betrachtete mit Marion Sippel-Boland und dem
Vorsitzenden des Vereins Gärtnermuseum Peter Kinne
das Modell des Streckhofes am Neuen Weg 33.
Foto: Flechner |
Lust und Liebe erforderlich
Sie zu bewahren, brauche viel Lust und Liebe sowie eine
gewisse Leidensfähigkeit ihrer Besitzer. Trotzdem sei
sein Traum diese Gebäude in Wolfenbüttel im Kontext mit
dem dazugehörigen Gartenland für die Nachwelt erhalten
zu können.
Diese Hausart sei aber nicht nur auf die Lessingstadt
begrenzt, überall im Landkreis fänden sich Formen des
Mitteldeutschen Einhauses. Sie stellten eine autonome
Einheit dar, in der der Landwirt Wohnen, Ställe und
Kornböden miteinander kombinierte. Weniger in
Wolfenbüttel selbst, dafür aber auf den umgebenden
Dörfern, gebe es Häuser dieser Art mit vorhängendem
Obergeschoss, Schnitzereien und Gefachen in Form des
Andreaskreuzes. In der Lessingstadt sei vor allem die
archaische Bauweise dominierend.
Gerade im frühen 18 Jahrhundert habe man einfache
Fachwerkfassaden ohne Zierrat bevorzugt. Die Entwicklung
zum getrennten Wohn- und Arbeitsbereich habe sich bei
diesen Häusern mit dem Wachsen der Familie und des
Wohlstandes nach und nach weiter entwickelt. Wohnten die
Menschen im 15. Jahrhundert dort noch mit ihrem Vieh unter
einem Dach, wurde vielleicht im 16. Jahrhundert der Stall
vom Wohnbereich abgetrennt und im 17. Jahrhundert ein
Wirtschaftsteil angebaut.
Es gebe Streckhöfe, so Jung, an die seit ihrer
Entstehung bis zu fünf Anbauten hinzugefügt wurden. War
nicht genug Platz auf dem Grundstück, um das Haus noch
weiter in die Länge auszubauen, entstand ein Hakenhof .
Die Streckhöfe, erklärte Jung, hätten vor allem Ende
des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts, nach Auszug des
herzoglichen Hofes aus Wolfenbüttel und mit der
Auflösung der Vorwerke, ihren Bauboom erlebt.
Charakter verloren
Grund hierfür sei der Aufschwung der Erwerbsgärtnerei
gewesen, der erst in der Nachkriegszeit durch den Eintritt
Deutschlands in die EU und dem damit verbundenen
Niedergang der Konservenfabriken gestoppt wurde. Hinzu kam
nach 1945 ein enormer Siedlungsdruck durch Neubauten auf
dem alten Gartenland. Durch die in dieser Zeit entstandene
neue Bebauung in Form von Autohäusern,
Mehrfamilienhäusern und dem Supermarkt sowie dem Abriss
der alten Höfe, habe der Neue Weg seinen ursprünglichen
Charakter verloren.
Auch heute sei das noch verbliebene Gartenland, durch
Baulandplanung gefährdet. "Ich würde mir wünschen,
diese sterbenden Streckhöfe an einigen Beispielen
erhalten zu können", schloss Jung seinen
Vortrag. fl |