24. Februar 2006  

 
 


BRAUNSCHWEIGER
ZEITUNG
WOLFENBÜTTELER ZEITUNG UND ANZEIGER

   

 

 
 


Er gehört zu den Top-Exemplaren seiner Spezies: der Streckhof Neuer Weg 33, den der Verein Gärtnermuseum ankaufen will. Das Fassadengefüge ist hier konsequent im gebundenen System verzimmert.
                                                                    (Foto: Karl-Ernst Hueske)

Warum der Streckhof so einzigartig ist

Der Verein Gärtnermuseum will mit dem Anwesen Neuer Weg 33 ein ganz besonderes Gebäude sichern

Von Karl-Ernst Hueske

WOLFENBÜTTEL. Die Stadt Wolfenbüttel kann auf eine jahrhundertealte Tradition der Gartenkultur und der Gärtner zurückblicken. An die 300 Jahre alte Tradition des Erwerbsgartenbaus erinnern in der Stadt noch einige wenige Streckhöfe.

Der Verein Gärtnermuseum Wolfenbüttel will nun einen derartigen Streckhof erwerben (wir berichteten). Der Verein hat sich als Standort für sein Museum ein Gebäude am Neuen Weg 33 ausgesucht, das nach Angaben von Günter Jung von der Bezirksdenkmalpflege zu den "Top-Exemplaren seiner Spezies" gehört.

Streckhöfe entstanden in Wolfenbüttel seit der Mitte des 18. Jahrhunderts, berichtet der ehemalige Stadtheimatpfleger Dieter Haupt in seinem 1997 erschienen Aufsatz zum Thema "Streckhöfe ¨– eine Vorstadtstruktur geht verloren". Der Streckhof ist demnach ein zweigeschossiges Fachwerkhaus, in dem, auch bedingt durch eine entsprechend gestreckte Parzellenstruktur, der Wohn-, Wirtschafts- und Stallteil aneinander gereiht und vereinzelt sogar unter einem gemeinsamen Dach untergebracht sind. Einige Streckhöfe wurden später zu winkelförmigen oder gar U-förmigen Hofanlagen durch entsprechende Anbauten erweitert.

Das trifft für das Gebäude Neuer Weg 33 nicht zu. "Er ist noch in seinem ursprünglichen Zustand erhalten, außen und insbesondere innen", ist Gärtnermuseums-Geschäftsführerin Sighild Salzmann ganz begeistert von dem Streckhof, den der Verein so schnell wie möglich ankaufen möchte. Die Einzigartigkeit hat dem Verein auch der Denkmalexperte Günter Jung bestätigt: "Ich gehe von einer Kulturdenkmaleigenschaft des Hofes aus. Hierfür sprechen insbesondere die selten qualitätsvolle Ausführung des zweistöckigen Fachwerk-Wohnhauses mit profilierter Vorkragungszone an beiden Längsseiten, die klassizistische Haustüre, eine zeitgenössische Innentüre, beide mit kunstvollen Beschlägen, der in seiner Struktur mit Ausnahme des Eingangswechsels von Nord nach Süd wenig veränderte Gebäudegrundriss sowie der Inschriftstein vom 20. Juli 1800 mit Angabe des Bauherrn Holtje."

Jung sieht aber auch Gefahren für diesen einzigartigen Streckhof. Sorgen bereiten ihm besonders der zerfledderte Zustand des Daches. Auch das Balkenwerk der Remise wird infolge starken Schädlingsbefalls zu sanieren sein.

Das wissen auch die Mitglieder des Gärtnermuseumsvereins. Sie haben deshalb eine Spendeaktion zum Ankauf und zur Sanierung des Streckhofes gestartet. "10 350 Euro haben wir schon gespendet bekommen", freut sich Salzmann.