Donnerstag, 15. Februar 2001      
 

WOLFENBÜTTELER ZEITUNG UND ANZEIGER

 

  Die erste Versammlung findet am Dienstag, 13. Februar, 18:30, im Restaurant Smedien statt  
  Förderverein "Gärtnermuseum" wird gegründet  
 

WOLFENBÜTTEL (keh) Seit über 300 Jahren ist der Name Wolfenbüttel mit dem Berufsstand der Erwerbsgärtner verknüpft. Besonders seit der Residenzverlegung im Jahr 1754 trägt die Lessingstadt im Volksmund die Bezeichnung "Gärtnerstadt". Nun soll mit der Gründung eines Fördervereins Gärtnermuseum an diese jahrhundertealte Tradition erinnert werden. Heutzutage erinnert zwar höchstens noch das Gärtnerdenkmal vor der Trinitatiskirche, eine von Marion Sippel-Boland erarbeitete Geschichte der Wolfenbütteler Gärtner (erschienen als Heft 8 der Wolfenbütteler Stadtgeschichte) und gerade mal 20 Gärtnereibetriebe (nach dem Krieg waren es noch 150) an diese Tradition, aber nun soll ein Versuch gestartet werden, dieses Kapitel der Wolfenbütteler Stadtgeschichte verstärkt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Vielfarbiges Bild der Ländereien

 Zwar wird es nie mehr einen derartig schönen Anblick geben, wie ihn frühere Zeitgenossen erlebt haben, denen sich, wenn sie aus Norden kommend, auf Höhe des Sternhauses ein vielfarbiges und vielförmiges Bild der fruchtbaren Ländereien in der Senke darbot. Aber im Verlauf der nördlichen Wolfenbütteler Zufahrtsstraße, des Neuen Weges, gibt es zumindest, ebenso wie am Alten Weg, noch einige alte Streckhöfe. Diese typischen Wolfenbütteler Gärtner-Gehöfte werden aber immer weniger, so dass es nun dringend an der Zeit ist, so die CDU-Ratsfrau Sighild Salzmann, einen derartigen Hof zu erhalten, und darin ein Gärtnermuseum 


Dies ist das Titelbild des Heftes 8 zur Geschichte der Stadt Wolfenbüttel, in dem Marion Sippel-Boland die Geschichte der Wolfenbütteler Gärtner beschrieben hat. Es zeigt die Gärtnerei von Otto Höltje an der Campestraße.
Foto: Historisches Foto Archiv Wolfgang Lange

 
 

einzurichten.
 Hinzu kommt, dass die heutigen Wolfenbütteler Erwerbsgärtner aus Platzmangel alte Gerätschaften nicht mehr aufbewahren können. Ehe diese Geräte jedoch beim Schrotthändler landen, sollten sie zusammengetragen werden und im Museum ausgestellt werden.
 Peter Kinne, Gärtner von der Campestraße besitzt zum Beispiel mehrere historische Gärtnerwerkzeuge, darunter auch ein extra für die Region Wolfenbüttel entwickeltes Schaufeleisen. Er selbst hat auch Probleme, diese alten Gerätschaften in seinem modernen Betrieb zu lagern.

Weitere Mitstreiter gesucht

  Inzwischen konnte Sighild Salzmann auch schon mehrere Wolfenbütteler für die Gründung eines Gärtnermuseum-Fördervereins begeistern. Sie sucht allerdings noch weitere Mitstreiter, um das Projekt Gärtnermuseum in einem ehemaligen Streckhof realisieren zu können. Von daher können sich auch noch weitere Interessenten an diesem Projekt und an diesem Verein am Dienstag, den 13. Februar, 18:30 Uhr, im Restaurant Smedien am Neuen Weg 66 einfinden, um an der Vereinsgründung 

mitzumachen. 
 Interessenten an der Gründung des Fördervereins können sich mit Sighild Salzmann auch schon vorher über die Telefonnummer 05331/72051 oder die Faxnummer 05331/33481 in Verbindung setzen.
 Salzmanns Idee für ein Wolfenbütteler Gärtnermuseum geht aber noch über eine einfache Präsentation der Wolfenbütteler Gärtnergeschichte, ihrer Häuser und ihrer Handwerksgeräte hinaus. Sie kann sich auch einen Wolfenbütteler Gärtnerpfad vorstellen und Kurse mit Tipps für den Gartenbau.

Brücke zur heutigen Zeit

 Damit will sie erreichen, dass nicht nur zurückgeschaut wird, sondern auch eine Brücke zur heutigen Zeit geschlagen wird. Sie selbst hat erfahren, wie schwierig es heutzutage für Hobbygärtner ist, ohne fachliche Unterstützung einen abwechslungsreichen Garten zu schaffen und zu erhalten. "Vom Wissen der Wolfenbütteler Gärtner sollten möglichst alle Wolfenbütteler profitieren", lautet denn auch eine Zielsetzung ihres Projektes "Gärtnermuseum". 
Text: Karl-Ernst Hüske