Dienstag, 21. August 2001      
 

WOLFENBÜTTELER ZEITUNG UND ANZEIGER

 

  "500 Jahre Geschichte"  
  Verein Gärtnermuseum bittet Politiker und Bevölkerung um Unterstützung  
 

WOLFENBÜTTEL (emka) Der im Februar gegründete Verein "Gärtnermuseum Wolfen- büttel" verfolgt zielstrebig das Vorhaben, dem traditions- reichen Berufszweig eine Erinnerungsstätte zu widmen. Zuversichtlich äußerte sich die ehrenamtliche Geschäfts- führerin, Sighild Salzmann, dass das dritte deutsche Gärtnermuseum in Wolfenbüttel eröffnet wird.

Eine fast 500-jährige Tradition dürfe einfach nicht verschwinden. Das Gärtnerdenkmal, das im Mai 1998 im Schatten der St.-Trinitatis-Kirche aufgestellt wurde, sei kein Ersatz für altes Mobiliar, Dokumente, Bildmaterial und Arbeitsgeräte aus der Blütezeit des Erwerbsgartenbaus, der Wolfenbüttel als Gärtnerstadt berühmt gemacht habe.
 
Im nächsten Jahr wolle der Verein, der inzwischen 51 Mitglieder zählt, die Gärtnermuseen in Bamberg und Erfurt besuchen.

 Seine erste Gruppenfahrt führte am vergangenen Wochenende zur Bundesgartenschau nach Potsdam.
Randnotiz: Die Wolfenbütteler passierten einige Minuten zu früh den Eingang. Nach ihnen wurde der 1,5-millionste Besucher mit einem Präsent begrüßt...

 Nur noch zwölf Betriebe

Die Mitglieder und Freunde des Vereins ließen die "Gartenkunst gestern und morgen" auf sich wirken und erlebten eine "Sinfonie für die Sinne". Sie fanden aber auch Beis- piele für typische Landschafts- gärten, wie sie seit den 50er-Jahren an gelegt wurden, moderne Grab- gestaltung und Kulturpflanzungen, 
und sie zeigten sich beeindruckt von den Verwendungsmöglichkeiten nachwachsender Rohstoffe.
 Vereinsvorsitzender Peter Kinne sah sich nach diesem Besuch bestätigt, dass die prägende Kulturgeschichte der  heimischen Gartenbaubetriebe vor dem Vergessen bewahrt werden müsse. 

Von den ehemals 130 Wolfenbütteler Betrieben in den 50er Jahren seien noch zwölf übrig geblieben, und darunter nur wenige, die als ehemals für Wolfenbüttel typsiche Streckhöfe gelten.
Kinne und weitere Wegbereiter für ein Gärtnermuseum - Schriftführerin Edith Pölig und Schatzmeister Hermann Isensee - haben bereits Utensilien gerettet, die aus der Hochzeit des heimischen Erwerbsgartenbaus stammen und auf Dachböden oder in alten Scheunen vor sich hin rosteten. "Wir haben damals mit Geräten gearbeitet, die heute kaum noch bekannt sind", gab Edith Pölig zu bedenken. Sie erinnerte an das Kratschemesser, das wahrscheinlich in Wolfenbüttel beim Unkraut jäten auf den Knien verwendet wurde.
 Die Zukunft des junge Vereins, der noch auf seine Eintragung im Vereinsregister wartet, hängt nach Meinung seiner Geschäftsführerin von der Unterstützung durch die Ratsfraktion und der Bevölkerung ab. Nur mit Ideen, Sach- und Geldspenden könne das Museums-Projekt realisiert werden.

 Kürbisse werden prämiert

Bis es soweit ist, präsentieren sich die Mitglieder mit Aktionen und Vorträgen in der Öffentlichkeit. So sind sie in der Kulturnacht am 22. September mit einem Informationsstand auf dem Hof des Architekten Friedhelm Niehüser vertreten und erwarten die Früchte einer Aktion, die im Rahmen des Geranienmarktes begann: Im Mai hatte der Verein Kürbispflanzen verlost, und die schönsten und originellsten sollen am 9. Oktober prämiert werden.

 

 
 
Verschnaufpause: Im Bundesgartenschau-Ausstellungsbereich "Kunst auf der
Wiese" ließen sich die Mitglieder des Vereins "Gärtnermuseum Wolfenbüttel"
auf bequemen Sitzkissen nieder, vorn recht Vorsitzender Peter Kinne.
Foto: Marion Kanther